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 Geschichtsaufarbeitung

(Ein kritischer Kommentar zu dem linken Geschichtsaufarbeiter Dietmar Bartsch)

Dass die Entstehung der DDR und der Sieg der UdSSR ursächlich mit dem faschistischen deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieg zu tun haben könnte, mit der Konferenz von Jalta und dem Potsdamer Abkommen – darauf kommen die Konservativen nicht.

Die Entstehung der Zweistaatlichkeit in Deutschland geht ursächlich auf ein unheilvolles Paktieren deutscher Großbankiers, Großagrarier, Großindustrieller und Medienzaren mit mörderischen politischen Abenteurern zurück, die zur Machtsicherung, zur damit verbundenen Zerschlagung der freien Gewerkschaften, des so genannten bolschewistischen und sozialdemokratischen Marxismus und Rückgängigmachung der Ergebnisse des Ersten Weltkrieges auf die faschistische Karte setzten. Die Faschisten hatten all das vorher lautstark und publikumswirksam versprochen und es gab wenig Zweifel an ihrer Ernsthaftigkeit, den Versprechen auch blutige Taten folgen zu lassen.

 
Bildquelle 1: Vorbereitungen zum 2. Wahlgang der Reichspräsidentenwahl am 10. April 1932. Ein durch die Prenzlauer Promenade in Berlin – Pankow fahrender Lautsprecherwagen von Siemens macht Wahlwerbung für die NSDAP. Der Firmenchef Hermann von Siemens, zu dieser Zeit offiziell noch Mitglied der Deutsch Nationalen Volkspartei (DNVP), soll schon im Oktober 1931 die NSDAP vor amerikanischen Elektroindustriellen in New York als Bollwerk gegen den deutschen Kommunismus angepriesen haben. (1)  

Bildquelle 2: Die Kölner Villa des Großbankiers Kurt von Schröder, in der sich der Ex-Kanzler Franz v. Papen und der Chef der NSDAP Adolf Hitler bei einem Geheimtreffen am 4. Januar 1933 auf eine gemeinsame Regierungsbildung verabredeten. Hier zeigt sich trotz der schlechten Quellenlage, wie sehr große Teile der wirtschaftlichen Eliten, allen voran die Hochfinanz mit der Nazi-Führung schon vor der Machtergreifung und nicht erst, wie immer behauptet, hinterher paktierte.

Mit Hilfe ihres militanten Antijudaismus, der den Juden für alle Übel der Welt die Schuld in die Schuhe schob, war es ihnen gelungen, eine Massenbasis in Teilen der Bevölkerung zu erringen, um damit ihren Machtanspruch zu demonstrieren. Sie zogen mit Liedzeilen wie: „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt“, singend oder Losungen wie: „Deutschland erwache, Juda verrecke!“, grölend durch die Straßen und wer es hören wollte, konnte es mitbekommen. Die herrschenden Eliten spielten mit dem Feuer und bezichtigten hinterher die konsequentesten Nazigegner der Brandstiftung.

 
Bildquelle 3: Dieses antijüdische Hetzplakat verdeutlicht wie kaum ein anderes, wie Hitler seinen pathologischen Judenhass in praktische Politik umzusetzen vermochte, um im deutschen Volk eine Massenbasis zu erlangen. Er machte sich dabei die im Volk tief verwurzelten jahrhundertealten Vorurteile gegen jüdische Miteinwohner zunutze und erklärte sowohl das so genannte jüdisch bolschewistische Untermenschentum als auch die so genannten jüdisch plutokratischen Machthaber in Großbritannien und den USA zu Feinden. Juden gewissermaßen als Hauptverursacher für alle bolschewistischen, also auch marxistischen einschließlich sozialdemokratischer und gewerkschaftlicher, und kapitalistischen Übel. Dagegen setzte er die deutsche Volksgemeinschaft als Träger einer künftig die Welt beherrschenden germanischen Herrenrasse.   Bildquelle 4: Die Nazis benötigten Finanzen für die Finanzierung der Massenbewegung, die Finanzierung einer Privatarmee der SA (Mitgliederzahlen: 1924: 30.000; 1930: 80.000; 1932: 220.000; 1933: 400.000; 1934: ca. 4.000.000), die Finanzierung der Propaganda eingeschlossen Großveranstaltungen mit 100.000 Teilnehmern, die Herausgabe der Zeitung "Völkischer Beobachter" zuerst zweimal wöchentlich, dann täglich, den Kauf feudaler Parteizentralen, tausender Flaggen und zweier Flugzeuge. Die Gauleitungen der NSDAP sitzen vor der Machtübernahme Anfang 1933 zum Teil. auf hohen Schuldenbergen. Ohne Hilfe von außen hätte eine Machtübernahme durch die Nazis nie stattfinden können. Und diese Geldgeber blieben lange "unsichtbar". Sie handelten als "unsichtbare Spieler" im Poker um die Macht.

Die Kenntnisse über die Verantwortung des Establishments für das Zustandekommen der Hitlerei und für alles andere, was dann passierte, droht leider auch im Gebiet zwischen Ostseeküste und Mittelgebirgen verschütt zu gehen. Die Totalitarismusdoktrin mit ihrer Gleichsetzung von rot und braun versucht diese Verantwortung der Herrschenden klein zu reden oder gänzlich zu leugnen. Noch setzt in Deutschland keiner von den wirklich Herrschenden erneut auf die offen faschistische Karte, wenngleich totalitäre Formen der Machtausübung im Zusammenhang mit tatsächlichen und vermeintlichen Terrorgefährdungen immer mehr zunehmen. In anderen Teilen Europas gibt es schon wieder weit fortgeschrittenere Vorfaschismen, die von den Herrschaften ausgehen und mit Gewaltausbrüchen auf den Straßen ihre blutrünstige Entsprechung finden.

Aus diesem Grunde greift der Hinweis auf den deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieg m.E. zu kurz. Kann es vielleicht sein, dass die linken Führungskräfte aus der so genannten politischen Klasse davor zurückschrecken, solche Verantwortlichkeiten beim Namen zu nennen? Wollen diese Führungsgenossen die Profiteure der Agenda 2010-Politik, unsere „Arbeit-, Lohn- und Brotgeber“, möglicherweise nicht zu sehr vor den Kopf stoßen?

Es war mitnichten so, dass der Weg Deutschlands stringent auf die Zweistaatlichkeit hinauslief: Es gab unter Exilierten, ehemaligen KZ-Insassen, Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten und Konservativen die Überzeugung, aus der Erfahrung mit dem Nationalsozialismus einen "antifaschistisch-demokratischen" Staat zu entwickeln. Erst ab 1947 wurde massiv in Richtung Zweistaatlichkeit umgeschwenkt.

Das stimmt und stimmt auch wieder nicht. Die sowjetzonalen Kommunisten strebten seit Ende 1945 auf Befehl Stalins eine beschleunigte Vereinigung mit den Sozialdemokraten in den von den Sowjets besetzten deutschen Ländern an. Sie schufen mit der teilweise freiwilligen und von vielen gewollten, aber vielerorts auch unter erheblichem Druck zustande gekommenen Verschmelzung von KPD mit SPD zur SED eine wichtige Voraussetzung für die spätere Aufrichtung der politischen Herrschaft in ihrem Einflussbereich. Sie taten das noch weit bis in die fünfziger Jahre hinein vor allem zu Mobilisierungszwecken unter dem Banner des vorgeblichen Kampfes um die Einheit Deutschlands. Immerhin gab es bis zum Ende der 1940er Jahre innerhalb der SED zwischen Leuten wie Erich Gniffke und Anton Ackermann auf der einen Seite und Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck auf der anderen Auseinandersetzungen. In Fragen der Aufarbeitung gibt es trotz der hoch dotierten und selbsternannten Experten in Ost und West noch viel zu tun.

(1) Deutsche Geschichte in Daten, Berlin 1967, S. 678

Bildquelle 1: Bundesarchiv, Bild 183-R97782 / Fotograf: unbekannt / CC-BY-SA
Bildquelle 2: Großindustrie und Aufstieg der NSDAP, http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Findustrie_und_Aufstieg_der_NSDAP Urheber: Superbass / CC-BY-SA 3.0
Bildquelle 3: © Jewish Museum of Deportation and Resistance / Kazerne Dossin – Mecheln, http://www.cicb.be/de/nazis_de.htm
Bildquelle 4: Verlagsgruppe Ueberreuter, http://www.geschichteinchronologie.ch/eu/3R/Hitlers-financiers.html

 Rudolf Reddig

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